“better place” erobert die USA – Shai Agassi’s Elektroautoprojekt kommt in Fahrt
Es ist eine meiner Lieblingsfirmen des letzten Jahres und mit Freude hab ich die internationale Verbreitung ihrer Vision von elektrischer Mobilität verfolgt. Nach Israel, Dänemark, Australien hat “Better Place” jetzt auch Kalifornien und gestern Hawaii überzeugt Elektroautos staatlich zu fördern und damit den Aufbau einer Infrastruktur von Elektrotankstellen zu ermöglichen.
Das Gedanken des Gründers Shai Aggasi sind konsequent, das Konzept von Better Place ist visionär:
- Unabhängigkeit von Öl kann im Bereich Mobilität nur mit elektrischen Antrieben funktionieren
- Infrastruktur für Elektroenergie muss flächendeckend, schnell und intelligent sein
- Elektroautos können (ähnlich wie Handys) zusammen mit Energie-Verträgen verkauft werden und könnten so von Stromanbietern vorfinanziert werden
Das wirft natürlich Fragen auf, aber auf die wichtigsten hat der Ex-SAP Manager inzwischen gute Antworten: Renault-Nissan will günstige Elektroautos in Massenfertigung liefern, neue Akkus werden den Autos bis 100 Meilen Reichweite geben, Ladestellen werden flächendeckt ausgerollt und fürs “Schnelltanken” gibts Batteriewechselstationen. Der Strom soll aus erneuerbaren Energien kommen, naja wenigstens mittelfristig und die Pilotprojekte in kleineren Ländern sollen Beleg dafür sein, dass sich das ganze auch in groß realisieren lässt.
Neben großem Medieninteresse von Wired oder letzte Woche von BBC gibts natürlich auch Kritiker an seinem Projekt insbesondere bei den Extremgrünen (Eher verzweifelte Argumente wie: “Better Place kann Öl-Abhängigkeiten nicht beseitigen, da Öl neben Verkehr auch in so vielen anderen Bereichen benötigt wird”).
Ja, es gibt noch Baustellen, natürlich muss sich das Finanzierungskonzept erstmal beweisen, die Reichweite der Batterien verbessern, alles mit grünem Strom betrieben werden, das System auf Gütertransport ausgeweitet werden und man braucht wohl auch größere Autos für das Ego der Straßenkämpfer.
Aber bis setzt sieht es nach einem innovativen Ansatz aus, den eine intelligente und motivierte Persönlichkeit hier weltweit in die Tat umsetzen möchten.




Letztendlich sind noch sehr viele Fragen offen und solange die Regierungen eher auf (kostenlose und somit unnütze) Zertifikate für CO2 setzen oder ähnliche unsinnige Kampagnen fahren, werden wohl kaum ausreichende Ressourcen freigesetzt um in Richtung grüne Autos zu forschen.
Letztendlich könnte man sogar sagen : Auch wenn die Automobilindustrie derzeit in Ihrer wohl schwersten Krise ist und vom Staat Milliarden zum Überleben fordert, reicht das nicht aus um am derzeitigen Konzept zu rütteln.
S. Meyer
6 Dez 08 at 10:01
Ich hoffe, dass die noch offenen Fragen bald beantwortet werden können, denn es ist sehr wichtig, dass die Autoindustrie umweltfreundliche Autos vordergründig baut.
Tönungsfolien
26 Dez 08 at 21:04
Da muss ich mich Tönungsfolien anschließen, die umweltfreundlichen Autos können letztlich für alle nur ein Gewinn sein. Auch wenn viele Fragen noch offen sind, ist der Start, der erste Schritt in die richtige Richtung schon mal getan. Ich hoffe nur, dass man auch dran bleibt und die Idee an sich weiter entwickelt, trotz oder gerade wegen der allgemeinen Krise.
Martin
8 Jan 09 at 07:57
Ich glaube, dass die größte Frage die noch offen steht diese ist, wie wird die Ölindustrie darauf reagieren. Sie werden massive Umsatzeinbusen haben und ich denke genau da liegt das Problem, warum die Autos noch nicht für die Massenproduktion fertig sind. Ich glaube nämlich, dass die großen Ölindustrie dagegen angehen, denn es ist ihr Geld, dass sie verlieren.
Ich selbst fahre mit Autogas und bin froh, dass ich nicht mehr die teuren Preise bezahlen muss. Ich würde aber auch umsteigen auf ein Elektroauto, wenn man es bezahlen kann.
Heike
9 Jan 09 at 14:21
@S.Meyer: Ja, Emissionsgrenzen für den privaten Verbauch würden schon helfen, kommen aber sicherlich noch nicht in den nächsten Jahren.
Naja, mal sehen wie sich better place weiter entwickelt, vielleicht können die ja an den Strukturen rütteln. Beim Internet waren es auch nicht die “Alten Medien”-Firmen die die Innovation angetrieben haben und jetzt dominieren, sondern neue, kleine Startups.
Und auch die amerikanischen Autobauer werden in den nächsten 3 Monaten einige massive Veränderungen machen müssen wenn sie danach nochmal Geld von der Regierung haben wollen.
@Heike: Yepp, glaub ich auch. Teilweise gibt es Überschneidungen bei den großen Konzernen. E-ON zum Beispiel macht Gas, Öl und (Atom-)Strom.
mario
9 Jan 09 at 17:41
Seit gestern gibts ein neues “Werbevideo” von better place. Sehr nett gemacht:
http://www.betterplace.com/press-room/videos-detail/whats-better-place/
Mario
16 Jan 09 at 18:59
Von den “massiven” Veränderungen sehe ich, einem Monat nach Ihrem Posting, (bzw. 4 Monaten Krise gesamt) jedoch noch nicht so viel. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein – die Fabriken wurden angeworfen um die kurzfristige Nachfrage nach Kleinwagen zu befriedigen.
Von Umdenken kaum eine Spur. Ein Lernprozess setzt dann ein, wenn es existentiell wird, nicht wenn es Aufpäppelungsspritzen gibt. Ich hoffe inständig, dass es keine weiteren Finanzspritzen gibt. Das ist gleichzusetzen mit den jetzigen Bonuszahlungen für Banker für das abgelaufene Jahr – nämlich eine Belohnung für etwas, das eigentlich getadelt werden müsste.
In einer Sache stimme ich jedoch zu : Innovationen kommen oft von kleinen Startups und nicht von den Marktführern, die eher darauf bedacht sind das vorhandene zu schützen.
S. Meyer
18 Feb 09 at 22:03