First Tuesday zur Personalwirtschaft im Internet
Die in London entstandene Veranstaltungsreiche First Tuesday hatte am 2. September “Online Recruitment” zum Thema. Mit Andrea Bertone dem Europachef von Monster und Kevin Eyres, Europachef von Linkedin waren nicht nur hochrangige sondern auch sehr interessante Sprecher vertreten.
Die drei Haupttrends auf die Andrea in seiner Rede eingegangen ist waren
- demografischer Wandel
- Wandel der Bewerber
- technologische Entwicklungen
Klingt an sich genommen vielleicht noch nicht so spannend, aber seine Ausführungen haben mich begeistert. Die arbeitende Bevölkerung (15-64 Jahre) in Westeuropa wird in den nächsten Jahren (weiss nich mehr genau ob 5 oder 10) um 9% abnehmen. Selbst mit einer Rezession erwartet die Branche mittelfristig also eine extreme Knappheit an gut ausgebildeten Arbeitskräften; in manchen Bereichen (wie Ingenierwesen oder auch Programmierer) ist das ja jetzt schon der Fall. Im englischen redet man da ja immer vom “talent” das knapp wird oder begrenzt ist, und meint dabei (anders als im deutschen) die Gesamtheit hochqualifizierter Arbeitnehmer.
Die Einstellung der Bewerber zur Arbeit hat sich aber noch mehr geändert und dieser Trend wird offenbar noch weitergehen. Andrea hat ihn so beschrieben: vom workoholic zum lifeoholic
Heutige Arbeitnehmer erwarten mehr von ihrer Arbeit als Geld, sie wollen ein gutes Gesamtpaket bekommen: interessante Aufgaben, Einflussmöglichkeiten, Aufstiegschancen, Freizeit und Vergütung. Der Job muss einen weiterbringen und wenn er zu langweilig wird oder man anderswo ein besseres Angebot bekommt möchte man weiterziehen, beides ist auch bei mir der Fall (auch wenn ich meiner Arbeitgeber gegenüber extrem loyal bin). Die durchschnittliche Beschäftigungsdauer bei einem Arbeitgeber war für Berufsanfänger in den 50ern seinen Zahlen zufolge 27 Jahre. Heute ist sie nur noch 4 Jahre. Kevin hat später von Zahlen gesprochen, die bei Initiativbewerbungen im Bereich von 4 lagen, bei Bewerbungen auf ausschreibungen nur zwischen einem und anderthalb Jahren!
Auch jedes mal mit dabei sind die “under the radar” Startups: Im englischen Slang Firmen die noch so klein sind, dass sie noch keiner im Markt so richtig bemerkt hat. Diesmal waren das:
- Amando Ruffini von im März auch in Deutschland gestarteten Zubka die ähnlich wie Bluechipexpert für Kandidatenempfehlungen Geld bezahlen
- Howard Lee von Workhound einer ziemlich cleveren Metasuchmaschine für Stellenangebote die gerade neues Geld bekommen hat
- Lucian Tarnowski von bravenewtalent die Firmen mit talentierten Personen in Kontakt bringen wollen lange bevor aus ihnen Bewerber werden
First Tuesday ist inzwischen in ganz Europa verbreitet sogar mit einzelnen Ablegern in Südamerika. In Deutschland Frankfurt, Bremen und bald offenbar Berlin. Danke nochmal an Chris und Nick für die Freikarte



