Kopfsachen und begehrte Trash-Container
Fabian hat mich zu seinem neuen Projekt Goodgaze eingeladen. Und wie nicht anders zu erwarten is es tatsächlich sehr interessant. Kurz gesagt ist es Eyetracking ohne Eyetracking. Insbesondere bei der Optimierung von Webseiten werden ja bereits häufig Eyetrackingsysteme eingesetzt, die aufzeichnen, wohin “Nutzer” zuerst schauen und welche Bereiche weniger Aufmerksamkeit bekommen.
An der Uni Osnabrück hat ein Team von Forschern auf der Basis solcher Auswertungen ein Modell für Aufmerksamkeitsverteilung entwickelt, das quasi für Bilder von Webseiten die Fixationspunkte (also die Punkte wo das Auge kurz “anhält”) bei Eyetracking-Messungen vorhersagen kann. Offenbar funktioniert das für die ersten zwei Punkte mit 95% Wahrscheinlichkeit, aber natürlich viel schneller und kostengünstiger! Auf dem Foto seht ihr übrigens die Analyse der Kindo Hompage.
Ein anderes hochinteressantes Projekt in der “Länderhalle” 9 (die Flächen werden hier von Bundesländer gemietet, und so kommen auch kleine Projekte zur Ausstellung die sich einen Stand nie leisten könnten) war von der Uni Bremen, ein sogenanntes Brain-Computer Interface, also eine Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer. Auf einem Bildschirm lässt man verschiedene Navigationsflächen mit bestimmten Frequenzen blinken. Wenn man auf diese Flächen schaut, wird das Gehirn “angeregt” und diese Frequenzen tauchen in EEG-Messungen (kleine Metallsensoren auf auf dem Kopf) der Gehirnströmen wieder auf. Also eine Art Eye-Tracking über Gehirnfrequenzen… mit dem man dann z.B. Schwerbehinderten helfen kann bestimmte Dinge zu steuern.
Außerdem ist mir dieser sehr sympatische Container von Debitel aufgefallen. Endlich mal jemand der nicht mit Geld um sich wirft, sondern nur rostige Metallcontainer aus dem Hamburger Hafen als Messestand geborgt hat. Und die Leute stehen Schlange davor! Ich wollte nicht warten, weiss also leider nich, was da drinnen eigentlich abging… man hat nur bisschen Getrommel gehört.

Alle Fotos oder größere Versionen gibts wieder bei Flickr…




Mario,
vielen Dank fuer Deinen Post! Ein paar kleine Korrekturen seien mir jedoch erlaubt: GoodGaze ist nicht “mein” Projekt; wir sind ein Team von insgesamt acht attention-freaks. Die Wahrscheinlichkeitsngabe, die ich dir nannte, bezog sich konkret auf die Analyse der Kindo-Website: dieser Wert kann bei anderen Seiten erheblich schwanken. Im Grunde geht es dabei auch nur darum, welcher der errechneten HotSpots sich mit welcher Wahrscheinlichkeit gegenueber den anderen als erste Fixation durchsetzen wird. Von Fixationen auf HotSpots allgemein ist jedoch in praktisch allen Faellen auszugehen, da es sich um die aufmerksamkeitsstaerksten Bereiche einer Website handelt.
Beste Gruesze und bis naechste Woche in London, hoffe ich!
Fabian
8 Mär 08 at 09:46